Am 11.11.2011 hat die Gemeinde Unterlangenegg eine Gedenkfeier zu Ehren von Ulrich Ochsenbein veranstaltet; es wäre sein 200. Geburtstag gewesen. Die Feier wurde auf Initiative von Samuel Krähenbühl hin veranstaltet. Sie wurde gemeinsam mit der Jungbürgerfeier durchgeführt.

Im Nachhinein kann festgehalten werden, dass die Feier bei den anwesenden Besuchern überall sehr positiv angekommen ist. Der Abend wurde unter anderem durch die Trachtengruppe Schwarzenegg, Festredner Christoph Neuhaus sowie Ulrich Ochsenbein höchstpersönlich – der in passender Uniform durch einen Laienschauspieler gespielt wurde – sehr interessant und abwechslungsreich gestaltet. Dies beweist auch der Bericht aus dem Thuner Tagblatt vom 14.11.2011.

Weshalb es sicher angebracht war, diesen Mann zu ehren, beweist der nachfolgende Auszug seiner Biographie, verfasst von Gemeinderat Samuel Krähenbühl:

Vater des Bundesstaates wird 200 Jahre alt

Am 11.11.2011 vor 200 Jahren wurde in Unterlangenegg Bundesrat Ulrich Ochsenbein geboren. Anlässlich des Jubiläums hielt bereits auch Alt-Bundesrat Christoph Blocher an der Bundesfeier von Unterlangenegg im 2011 eine Rede über den Vater der modernen Schweiz.

Im Alten Bären neben der Kirche Schwarzenegg kam am 11. November 1811 ein Mann auf die Welt, der die Geschichte der Schweiz entscheidend beeinflussen sollte. Ulrich Ochsenbein wurde 1846 Bernischer Regierungsrat, 1847 Regierungspräsident, Präsident der Tagsatzung und Oberbefehlshaber der bernischen Division im Sonderbundskrieg. 1848 prägte er schliesslich als Präsident der Verfassungskommission die Verfassung der Schweiz, die in den Grundzügen bis heute in Kraft ist. Schliesslich wurde er im gleichen Jahr als einer der ersten sieben Mitglieder in den Bundesrat gewählt. Wenn das heutige politische System einen Vater hat, dann ist es Ochsenbein.

Als Wirtssohn geboren

Als Wirtssohn im Wirtshaus „Bären“ in  Schwarzenegg geboren, war Ochsenbeins grossartige Karriere nicht unbedingt vorauszusehen. Es sind keine grosszügige Verhältnisse, in die Ochsenbein geboren wurde, bescheidene eher, aber auch nicht ärmliche. Vater Caspar Ochsenbein hat das heute dreihundert Jahre alte ehemalige Wirtshaus Bären sowie den dazugehörigen Gutskomplex von seinem Vater Christian geerbt. Das Haus ist seit dem Bau der neuen Hauptstrasse und dem Bau des Neuen Bären allerdings kein Restaurant mehr. Am 24. November wurde der kleine Ulrich in der nahe liegenden Kirche Schwarzenegg getauft.  Seine Gotte, die Wittwe Bay aus Bern, hatte allerdings eine Vorahnung, das aus dem Täufling eine bedeutende Persönlichkeit würde. Gemäss Ochsenbeins Lebenserinnerungen hatte seine Gotte in der Nacht auf den Tauftag von einer hochherrschaftlichen Taufe in der Stadt Bern geträumt. Sie sieht grosses Gepränge, hört alle Kirchenglocken der Stadt zu gleichen Zeit läuten. Ochsenbein erinnerte sich auch an die schlimme Hungersnot im Jahr 1816, dem „Jahr ohne Sommer“, als bleiche, magere Gestalten täglich vor der Türe des Elternhauses gestanden und um Almosen gebettelt haben.

Steile Karriere
Als Sechsjähriger wurde er bei Schulmeister Gottlieb Wenger eingeschult, aber schon ein Jahr später verkaufte Vater Ochsenbein den Bären und zog mit seiner Familie ins Waadtland. 1825 zog die Familie noch einmal um und zwar nach Nidau ins Berner Seeland. Dort pachtete Vater Ochsenbein die Stadthauswirtschaft. Sohn Ulrich Ochsenbein begann 1830 ein Studium der Rechtswissenschaften. Als 1835 der Vater starb, übernahm der junge Jurist Ulrich, der eben gerade geheiratet hatte, die überschuldete Erbschaft. Er kämpfte erfolgreich gegen die zu hohen Pachtzinsen und übernahm die Verantwortung für seine meist jüngeren Geschwister. Von da an ging es mit dem jungen Ochsenbein fast nur noch aufwärts. Er machte Karriere als Offizier, und erkämpfte sich einen Namen als Stadtsanierer von Nidau. In dieser Zeit legte er den Grundstein für die Uhrenindustrie in der Region Biel, indem er den Uhrmachern steuerliche Anreize bietet. Der junge Offizier führte 1845 den zweiten Freischarenzug gegen die Jesuiten im Kanton Luzern an und wurde dadurch über Nacht berühmt, in den katholischen Kantonen allerdings auch berüchtigt. Bald sollte Ochsenbeins ganz grosse Stunde schlagen.

Vom Staatenbund zum Bundesstaat
Die Schweiz war damals ein schwacher Staatenbund, welches von der Tagsatzung mehr schlecht als recht regiert wurde. Die liberalen, meist reformierten Kantone wollten einen starken Zentralstaat, die katholischen Zentralschweizer, die Walliser und Freiburger wehrten sich dagegen. Ochsenbein hatte nachweislich schon früh die Idee, dass man einen Kompromiss zwischen dem schwachen alten System auf der einen und dem extremen Zentralismus auf der anderen Seite finden musste. Ihm schwebte ein System wie in den USA mit zwei Kammern vor, wie es später mit dem National- und dem Ständerat tatsächlich verwirklicht wurde. Als er 1847 Bernischer Regierungspräsident und damit auch gleichzeitig Präsident der Tagsatzung wurde, nahm er die Dinge an die Hand. Er schmiedete eine Allianz der liberalen Kantone, welche die Ausweisung des Jesuiten-Ordens sowie eine Reform des Bundesvertrages von 1815 forderte. Die katholischen Kantone schlossen sich im Sonderbund zusammen und wollten sich dagegen wehren. Es kam zum Krieg, der bei geringen Opferzahlen mit einem Sieg der Liberalen Kantone endete.

Ochsenbein bezahlte hohen Preis
Doch noch war der Kampf um die neue Ordnung nicht beendet. Ochsenbein und einige Mitstreiter erkannten glasklar, dass ein neues System die kleinen Kantone nicht einfach an die Wand drücken dürfte. In der Verfassungsskommission, die er präsidierte, setzte er sich für den Ausgleich zwischen kleinen und grossen Kantonen ein. Das Resultat war das Zweikammersystem und der Föderalismus. Schliesslich wurde er 1848 als einer der ersten 7 Bundesräte gewählt. Doch Ochsenbein sollte einen hohen Preis für seinen Kampf bezahlen. Seine ehemaligen Parteifreunde, die Radikalen, nahmen es ihm übel, dass er sich nicht für einen zentralistischen Staat eingesetzt hatte. Sie intrigierten gegen ihn, was 1854 zu seiner Abwahl aus dem Bundesrat führte. Als mehrfacher Familienvater, der damals als abgewählter Bundesrat keine Pension erhielt, sah Ochsenbein keine andere Möglichkeit, als sich als General in französischen Diensten zu verdingen. Dies war einer der Gründe, warum Ochsenbein oft die Anerkennung versagt blieb, die er als Vater der modernen Schweiz eigentlich verdient gehabt hätte. Am 3. November 1890 starb er imm Alter von 79 Jahren in Nidau.

Quelle: Rolf Holenstein: Ochsenbein. Erfinder der modernen Schweiz. Echtzeit Verlag, 2009.

Ulrich Ochsenbeins Geburtshaus in Schwarzenegg: Hier verbrachte Ochsenbein den ersten Teil seiner Kindheit.
Bild: Therese Krähenbühl